Es gibt Leben, die wie Faustschläge sind. Zwischen Rummelplatz, Boxring und Spielhöhlen kämpfen Schicksale gegen die Welt und sich selbst an. “Punch” erzählt von Menschen am Rande: Von einem ukrainischen Boxer, der nicht in den Krieg will, von einer jungen Frau, die dem Plattenbau‒Dschungel entflieht und auf der Suche nach einem Fight ist, von einem gescheiterten Journeyman, der nie aufgehört hat zu verlieren.
Da ist Lena an ihrem Zuckerwattestand, ihr Handgelenk schmerzt. Bis vor wenigen Minuten hat sie Berge voll Süße auf Holzstiele gedreht sechs Stunden, endlich der Wechsel mit ihrer jüngeren Schwester. Während andere Kinder mit Roboterkrallen in Spielzeugmeeren tauchen, wischt der kleine Leon in der Ringecke Adrian das Blut von der Stirn. Sein Lieblingsboxer schnauft ein letztes Mal durch. Finale Runde, wieder die Fäuste gehoben in Richtung eines fremden Gesichts, dies mit zarter Bitternis im Bewusstsein, dass der Tag alles andere als leicht enden wird.
Der Rummelplatz sonst ein Ort des Vergnügens wird hier zum Kaleidoskop der Schattenexistenzen. Mit sprachlicher Intensität und philosophischer Tiefe leuchtet der Roman die Zerrissenheit derer aus, die sich zwischen Kampf und Aufgeben, zwischen Entwurzelung und dem Wunsch nach einem Zuhause bewegen.
Ein Wandern durch jene Welten, die für gewöhnlich unsichtbar bleiben scharfe Blicke auf das, was sich allzu häufig den Augen entzieht. Im Zentrum steht auch die Frage, was bleibt, wenn Herkunft, Körper und Haltung ins Wanken geraten. Ein Buch über Mut, der anders aussieht als erwartet.